Wer im Lager regelmäßig entweder auf leere Regalfächer oder auf überquellende Bestände starrt, hat meist ein Problem mit dem Bestellzeitpunkt – nicht mit der Ware selbst. Genau hier setzt das Bestellpunktverfahren an: Es legt fest, bei welchem Lagerbestand automatisch nachbestellt wird, damit weder Produktionsstopps noch unnötig gebundenes Kapital im Regal entstehen.
Dieser Artikel erklärt die Definition, die Formel zur Berechnung sowie die Vor- und Nachteile des Bestellpunktverfahrens – inklusive Beispielrechnung und der passenden Lagerausstattung für die praktische Umsetzung.
Was ist das Bestellpunktverfahren? Definition und Funktionsweise
Das Bestellpunktverfahren ist ein bestandsorientiertes Verfahren der Bestellmengenplanung: Statt zu einem festen Termin zu bestellen, löst der aktuelle Lagerbestand die Nachbestellung aus. Sinkt der Bestand eines Artikels auf einen zuvor definierten Wert – den sogenannten Meldebestand –, wird automatisch nachbestellt. Wie hoch dieser Wert angesetzt wird, hängt vom Verbrauch, der Lieferzeit und den Sicherheitsreserven des jeweiligen Artikels ab.
Der große Vorteil dieses Prinzips: Es reagiert unmittelbar auf den tatsächlichen Verbrauch. Steigt die Nachfrage kurzfristig an, wird der Meldebestand entsprechend früher erreicht und die Bestellung früher ausgelöst. Bei rein terminbasierten Verfahren würde diese Schwankung erst mit Verzögerung bemerkt.
Meldebestand, Sicherheitsbestand & Bestellpunkt – die wichtigsten Begriffe
In der Praxis werden diese Begriffe häufig synonym verwendet, meinen aber unterschiedliche Dinge. Der Sicherheitsbestand (auch Mindestbestand genannt) ist die eiserne Reserve, die auch bei unerwarteten Lieferverzögerungen oder Bedarfsspitzen einen Produktionsausfall verhindert. Der Meldebestand – oft auch Bestellpunkt genannt – liegt darüber und markiert den Moment, in dem die Nachbestellung ausgelöst werden muss, damit die Ware rechtzeitig vor Erreichen des Sicherheitsbestands eintrifft.
Der Sicherheitsbestand ist das absolute Minimum, das im Lager verbleiben soll. Der Meldebestand liegt darüber, da er zusätzlich die Verbrauchsmenge während der Wiederbeschaffungszeit berücksichtigt. Wird nur der Sicherheitsbestand als Auslöser für die Bestellung verwendet, kommt die Ware in der Regel zu spät.
Die Bestellpunktverfahren-Formel: So berechnen Sie Ihren Meldebestand
Für die Berechnung des Meldebestands gibt es keine universelle Formel, die für jeden Artikel gleichermaßen passt – zu unterschiedlich sind Verbrauch, Lieferzeiten und Anforderungen an die Lieferfähigkeit. Grundsätzlich lässt sich der Meldebestand aber wie folgt ermitteln:
Der Sicherheitsbestand selbst ergibt sich aus der Anzahl der Tage, für die eine Reserve vorgehalten werden soll, multipliziert mit dem Tagesverbrauch. Am einfachsten lässt sich das an einem Beispiel nachvollziehen:
Ein Betrieb verarbeitet täglich 500 Nieten für die Fertigung von Arbeitsschutzhandschuhen. Der Lieferant benötigt für die Anlieferung 6 Werktage. Um Produktionsausfälle zu vermeiden, soll immer eine Reserve für 4 Arbeitstage vorhanden sein.
Sicherheitsbestand: 4 Tage × 500 Stück = 2.000 Stück
Meldebestand: 2.000 + (500 × 6) = 5.000 Stück
Sobald der Lagerbestand an Nieten auf 5.000 Stück sinkt, muss die Nachbestellung ausgelöst werden, damit rechtzeitig vor Erreichen des Sicherheitsbestands neue Ware eintrifft.
In 5 Schritten zum passenden Bestellpunkt
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1
Tagesverbrauch ermitteln Analysieren Sie den durchschnittlichen Verbrauch je Artikel über einen repräsentativen Zeitraum, idealerweise auf Basis der Lagerbewegungsdaten aus Ihrer Lagersoftware.
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2
Wiederbeschaffungszeit klären Erfassen Sie realistische Lieferzeiten je Lieferant, inklusive Zeit für Wareneingang und Kommissionierung im eigenen Betrieb.
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3
Sicherheitsbestand festlegen Definieren Sie, wie viele Tage Reserve für den jeweiligen Artikel benötigt werden – abhängig von Lieferzuverlässigkeit und Kritikalität für die Produktion.
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4
Meldebestand berechnen Wenden Sie die Formel an und legen Sie den Meldebestand je Artikel fest. Bei stark schwankendem Verbrauch empfiehlt sich ein zusätzlicher Puffer.
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5
Regelmäßig überprüfen und anpassen Verbrauchszahlen und Lieferzeiten ändern sich. Prüfen Sie Ihre Parameter mindestens einmal jährlich oder bei erkennbaren Trendveränderungen.
Ein zu niedrig angesetzter Sicherheitsbestand ist der häufigste Rechenfehler beim Bestellpunktverfahren. Schon eine einzige verzögerte Lieferung kann dann zum Produktionsstillstand führen. Kalkulieren Sie Lieferzeiten deshalb eher großzügig als knapp.
Für welche Betriebe eignet sich das Bestellpunktverfahren?
Das Bestellpunktverfahren eignet sich besonders für Betriebe mit schwankendem Bedarf, bei denen sich der Verbrauch nicht zuverlässig auf feste Bestelltermine planen lässt. Das betrifft klassischerweise Produktionslager, in denen Rohstoffe und Kleinteile verbrauchsabhängig nachgeordert werden müssen, ebenso wie Handelsunternehmen mit stark unterschiedlicher Nachfrage einzelner Artikel.
Grundlage für eine funktionierende Umsetzung ist eine saubere Struktur in der innerbetrieblichen Material- und Warenlogistik: Nur wenn Bestände, Lagerplätze und Materialflüsse sauber erfasst sind, lässt sich der Meldebestand je Artikel überhaupt zuverlässig ermitteln. Auch kleinere Betriebe profitieren von diesem Prinzip – oft reicht bereits eine einfache, aber konsequent geführte Bestandsliste, kombiniert mit der passenden Grundausstattung für kleine Lager, um spürbar seltener in Engpässe zu geraten.
Weniger geeignet ist das Verfahren dagegen für Artikel mit sehr konstantem, gut planbarem Bedarf – hier liefert das terminbasierte Bestellrhythmusverfahren oft den geringeren Verwaltungsaufwand (mehr dazu im Vergleich weiter unten).
Vor- und Nachteile des Bestellpunktverfahrens im Überblick
Ob sich das Bestellpunktverfahren für Ihren Betrieb lohnt, hängt von Sortimentsgröße, Nachfrageschwankungen und dem verfügbaren Verwaltungsaufwand ab. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile zusammen.
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Bedarfsgerechte Bestände Über- und Fehlbestände werden vermieden, da die Bestellung genau dann ausgelöst wird, wenn der tatsächliche Verbrauch es erfordert.
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Hohe Flexibilität bei schwankender Nachfrage Steigt oder sinkt der Verbrauch, verschiebt sich der Bestellzeitpunkt automatisch mit – ohne manuelles Eingreifen.
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Lieferfähigkeit jederzeit gesichert Ein korrekt kalkulierter Sicherheitsbestand schützt zuverlässig vor Produktionsengpässen, auch bei Lieferverzögerungen.
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Geringere Kapitalbindung Da nicht auf Vorrat, sondern verbrauchsorientiert bestellt wird, bleibt weniger Kapital ungenutzt im Regal liegen.
- Hoher Verwaltungsaufwand bei großem Sortiment – Für jeden Artikel müssen individuelle Meldebestände ermittelt und gepflegt werden. Ohne Softwareunterstützung wird das schnell unübersichtlich.
- Regelmäßige Kontrolle erforderlich – Verbrauchszahlen und Lieferzeiten verändern sich. Wer die Parameter nicht pflegt, arbeitet mit veralteten Meldebeständen.
- Keine Bündelung von Bestellungen – Da jeder Artikel seinen eigenen Bestellpunkt hat, lassen sich Bestellungen bei einem Lieferanten schwerer zu einer gemeinsamen Lieferung zusammenfassen.
Bestellpunktverfahren vs. Bestellrhythmusverfahren: Der Unterschied auf einen Blick
Neben dem Bestellpunktverfahren ist das Bestellrhythmusverfahren die zweite gängige Methode der Bestandsdisposition. Der zentrale Unterschied: Während das Bestellpunktverfahren bestandsorientiert arbeitet, richtet sich das Bestellrhythmusverfahren nach einem festen Zeitplan.
| Merkmal | Bestellpunktverfahren | Bestellrhythmusverfahren |
|---|---|---|
| Auslöser der Bestellung | Aktueller Lagerbestand (Meldebestand) | Fester Zeitpunkt bzw. Zeitraum |
| Reaktion auf Bedarfsschwankungen | Sehr flexibel | Eingeschränkt, da terminorientiert |
| Verwaltungsaufwand | Höher, da artikelindividuelle Meldebestände | Geringer, da fester Turnus |
| Bündelung von Bestellungen | Kaum möglich | Einfach umsetzbar |
| Ideal für | Artikel mit schwankendem Verbrauch | Artikel mit gleichmäßigem Verbrauch |
In der Praxis kombinieren viele Betriebe beide Verfahren: Kritische, stark schwankende Artikel laufen über das Bestellpunktverfahren, während gleichmäßig verbrauchte Standardartikel im festen Bestellrhythmus nachbestellt werden.
Typische Fehler beim Bestellpunktverfahren – und wie Sie sie vermeiden
In der praktischen Anwendung des Bestellpunktverfahrens wiederholen sich bestimmte Fehler immer wieder. Wer sie kennt, kann sie von Anfang an vermeiden.
- Sicherheitsbestand zu knapp kalkuliert – Wird die Reserve zu niedrig angesetzt, führt bereits eine geringe Lieferverzögerung zum Engpass.
- Veraltete Wiederbeschaffungszeiten – Wechselt ein Lieferant seine Lieferzeiten oder wird ein neuer Lieferant genutzt, muss der Meldebestand angepasst werden. Das wird häufig vergessen.
- Manuelle Bestandsführung ohne System – Wird der Lagerbestand nur sporadisch per Sichtprüfung kontrolliert, wird der Meldebestand oft erst bemerkt, wenn er bereits unterschritten ist.
- Einmal festgelegt, nie wieder angepasst – Verbrauchsmuster verändern sich über Zeit. Ein Meldebestand, der vor zwei Jahren korrekt war, kann heute zu niedrig oder zu hoch sein.
- Fehlende Datenbasis – Ohne belastbare Zahlen zu Tagesverbrauch und Lieferzeiten bleibt jede Berechnung reine Schätzung. Eine datenbasierte Bedarfsanalyse schafft hier deutlich mehr Sicherheit.
Die passende Regalausstattung für ein effizientes Bestandsmanagement
Ein korrekt berechneter Meldebestand nützt wenig, wenn er im Lager nicht auf einen Blick erkennbar ist. Gerade bei Kleinteilen entscheidet die richtige Regal- und Behälterlösung darüber, ob eine Unterschreitung des Bestellpunkts sofort auffällt oder erst bemerkt wird, wenn es bereits zu spät ist. Ob offenes Behälterregal, durchlaufendes FIFO-System oder modular erweiterbares Fachbodenregal – die passende Ausstattung macht die Bestandskontrolle zur täglichen Routine statt zur Suchaktion. Die folgende Auswahl zeigt praxisbewährte Lösungen für die übersichtliche Lagerung und Kontrolle Ihrer Meldebestände.

